Weiße, gesunde, heterosexuelle, aus der Mittel- oder Oberschicht stammende Männer

 

 

 

 

Überall auf der Welt, wo es um gut bezahlte oder einflussreiche Positionen in Politik oder Wirtschaft, auf Führungsebenen und in Entscheidungsgremien geht, wo Herrschaft, Macht, Prestige und Ressourcen zu verteilen sind, ist ein denkwürdiges Phänomen zu beobachten: Zumeist bestimmen weiße, gesunde, heterosexuelle, aus der Mittel- oder Oberschicht stammende Männer das Bild. Die gesellschaftliche Situation der weiblichen Bevölkerung hingegen ist immer noch durch weitgehende Unterrepräsentanz und diffizile Ausgrenzungsmechanismen – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß – in den Bereichen der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Kultur und der Medien gekennzeichnet. Die gleiche und gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in diesen Bereichen ist aber nicht nur ein Gebot der Gerechtigkeit sondern auch ein Gebot der österreichischen Verfassung, die den Gesetzgeber beauftragt für die faktische Gleichstellung von Frau und Mann zu sorgen.

Frauenquoten sind eine wirksame Strategie, um die Ungleichheiten und insbesondere die Unterrepräsentanz von Frauen in höheren Positionen im Erwerbsbereich und in der Politik zu überwinden. Frauenquoten beeinträchtigen zwar die Chancen von Männern, in eine bestimmte Position berufen zu werden, sie beinträchtigen aber nicht die Rechte von Männern sondern höchstens ihre immer noch bestehenden Privilegien.

Quotenregelungen gibt es in der Politik und im Erwerbsbereich. Ein internationaler Vergleich über den Anteil von Frauen in nationalen Parlamenten zeigt, dass in Staaten mit wirksamen Quotenregelungen der Frauenanteil höher ist als bei fehlenden Quotenregelungen (www.ipu.org). Im öffentlichen Dienst werden in Österreich bei Neubesetzungen Frauen zur Erhöhung des Frauenanteils bevorzugt eingestellt, wenn sie gleich qualifiziert sind wie sich bewerbende Männer. Keine Frau wird bei geringerer Qualifikation bevorzugt – bei Männern ist dies schon vorgekommen. So ist auch der abwertende Begriff „Quotenfrau“ nicht gerechtfertigt. In der Privatwirtschaft gibt es in Österreich noch keine Quotenregelungen.

Quotenregelungen sind die effektivste Methode zur Erhöhung von Frauenanteilen in zentralen Positionen, wenn sie wirkungsvoll angewendet werden, wenn es Sanktionen bei ihrer Nichtanwendung gibt, und wenn den verschiedenartigen Strategien zu ihrer Verhinderung begegnet werden kann. Das Ziel ist die Verwirklichung von Chancengleichheit. Jede und jeder soll die rechtliche und faktische Möglichkeit haben, die eigene Position im Berufsleben ohne Beeinträchtigung durch genderspezifische Benachteiligungen autonom zu bestimmen. Diese Chancengleichheit bedeutet den aktiven Abbau von Ungerechtigkeiten bzw. die Herstellung von Gleichheit.

Monika Jarosch,
Politologin, Juristin und Mitarbeiterin der AEP-Informationen (Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, www.aep.at)