Ich bin nicht eure Quotenfrau!

 

 

 

 

Dass die Quote mindestens 51%, für durch die Jahrhunderte erlittene Demütigungen eigentlich 100% betragen muss, ist klar. Das gilt für die Regierung, die staatliche Verwaltung, öffentliche Einrichtungen, Medien, die Privatwirtschaft usw. Feinabstimmungen wären aber angebracht: So müsste die Männerquote im Bereich der Supermarktkassiererinnen auch 100% betragen – nur ein Beispiel für ausgleichende Gerechtigkeit in den Billiglohnsektoren.
Soweit meine Träumereien.
Konkrete Erfahrungen habe ich im Bereich der österreichischen Linken. Was dort noch immer an Dinosauriern anzutreffen ist, ist eigentlich nicht zu fassen. Zum Beispiel die „Theoriezeitschrift“ XY. Eine ambitionierte Gruppe nicht mehr ganz junger Männer versucht, linke Theorieproduktion voranzutreiben, was eine löbliche Sache ist. Irgendwann, etwa zur Zeit des 1. Austrian Social Forum in Hallein, ist ihnen dann aber aufgefallen, wie altmodisch sie wahrgenommen werden. Ich z.B. hab ihnen dort klipp und klar gesagt, dass eine rein männliche linke Theoriearbeit für mich keine Legitimität und v.a. auch keine Aussagekraft besitzt. Es war witzig, wie ratlos sie reagierten. „Schreib doch mal was für uns“, sagten sie – was auch sonst? „Ich werde nicht eure Quotenfrau spielen, damit ihr besser da steht“, war meine logische Antwort. „Ihr müsst euch strukturell und inhaltlich grundlegend ändern, dann sehen wir weiter.“ Soweit ich weiß, haben sie ihre Quotenfrau mittlerweile gefunden...
Oder zum Beispiel ein alter Studienkollege von mir, mit dem ich in einer Basisgruppe an der Uni Wien jahrelang zusammengearbeitet habe und wo wir uns gründlich und nachhaltig (so bildete ich es mir zumindest ein) mit Sexismus beschäftigt haben. Er versucht seither, eine wissenschaftliche Karriere zu machen und hat gemeinsam mit einem unserer ehemaligen linken Theorieprofessoren, der in Sachen feministischer Theorie bestürzend unbeleckt ist, einen Zirkel organisiert, zu dem er mich regelmäßig einlud. Ich hatte irgendwie aber nie Zeit dafür. Dann, eines Tages, der Anruf: Ich solle doch auch mal etwas vortragen, das Thema sei dieses und jenes. Verblüfft, aber gänzlich unbeeindruckt von der Möglichkeit, in solche illustre Kreise vorzudringen, wandte ich ein, dass das mit „meinen“ Themen überhaupt nichts zu tun habe, was er ja wisse und weswegen ich nicht verstehe, warum er mich einlade. Der Kollege druckste ein wenig herum, um dann – dankenswerterweise – völlig ehrlich einzugestehen, dass in dem Zirkel zu wenige Frauen seien. „Also ist es egal, was ich dort vortrage, hauptsache ich bringe meine Titten mit“, entfuhr es mir. Das Gespräch war danach rasch beendet.

Sylvia Köchl, freiberufliche Politikwissenschafterin, Lektorin und Aktivistin