Die Diözese-Linz als Arbeitgeberin

 

 

 

 

Die Diözese Linz als Arbeitgeberin hat sich seit dem Jahr 2000 auf einen Weg der Gleichstellung gemacht. In diesem Prozess geht es nicht um „bloße“ Gleichberechtigung von Frauen (= gleiche Rechte wie die Männer), da diese einfach zu kurz greift. Um tiefgreifende Veränderungen zu bewirken ist reine Frauenförderung zu wenig – also auch die Einführung einer Frauenquote greift meiner Meinung zu kurz. Es geht nicht darum, Frauen, nur weil sie Frauen und unterrepräsentiert sind, zu fördern.

Gleichstellung wie sie in diesem Prozess verstanden wird, bedeutet: Frauen wie Männer können gemäß ihren je persönlichen Talenten arbeiten. Eignungen und Neigungen, die persönlich und nicht geschlechtsspezifisch sind, werden gefördert. Die MitarbeiterInnen sollen ihre Fähigkeiten entfalten können ohne Einschränkungen durch geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen.

Leider bildet das Kirchenrecht, das Frauen von bestimmten Funktionen und Ämtern ausschließt (Priesterweihe) eine Grenze zur vollen Gleichstellung. Jedoch im Rahmen des Möglichen setzte die Diözese Linz als Arbeitgeberin bedeutende Schritte:
Um Frauen in Führungspositionen zu fördern (z.B. Bereichs- und Abteilungsleiterinnen, Pfarrassistentinnen, Leiterinnen von Bildungshäusern – um nur ein paar Beispiele zu nennen) verpflichtete sich die Diözese, bei der Neubesetzung von Stellen bei gleicher Qualifikation weibliche Bewerberinnen zu bevorzugen, bis das Verhältnis Männer – Frauen im jeweiligen Bereich ausgewogen ist. Unterstützt werden Frauen, die Führungsfunktionen übernehmen, durch ein Mentoring-Programm. Diese Begleitung durch erfahrene KollegInnen, das Kennenlernen bestehender Netzwerke und der Austausch von Erfahrungen halte ich für eine wichtige Maßnahme, Frauen den Einstieg in eine Leitungsposition zu erleichtern.
Diese „geschlechtsspezifische Bevorzugung“ gilt auch umgekehrt für Bereiche mit Frauenüberhang. Leider ist es aber nach wie vor so, dass Männer sich kaum motivieren lassen, z.B. vermehrt in die Betreuung und Pflege (Caritas) oder in die Jugendarbeit/Jugendpastoral einzusteigen.
Scheinbar ist es leichter, Frauen zu unterstützen und zu fördern, um sich für Führungsfunktionen zu bewerben und darin erfolgreich zu sein, als die gängigen Rollenklischees aufzuweichen. Für eine nachhaltige Veränderung der Gesellschaft in Richtung Gleichstellung ist dies aber meines Erachtens unabdingbar. Leider ist z.B. der Versuch der Väterförderung als Anreiz, junge Väter zu motivieren in Elternkarenz zu gehen und sich diese Zeit mit der Mutter des Kindes aufzuteilen, nicht geglückt. Es konnten dadurch nicht mehr Väter dazu bewogen werden, diese Chance zu nützen. Wahrscheinlich geht das nur über finanzielle Anreize! Denn als Hauptgrund wird oft die finanzielle Situation angeführt. Solange nach wie vor Männer deutlich mehr verdienen als Frauen, solange Familien auf den Gehalt des Mannes nicht verzichten können, greifen Maßnahmen kaum, die keine finanzielle Unterstützung bieten (können). Hier stießen die Möglichkeiten der Diözese Linz auf deutliche Grenzen.


Weitere Informationen zum Gleichstellungsprozess der Diözese Linz sind auf der Homepage der Frauenkommission zu finden: www.dioezese-linz.at/frauenkommission. Fragen bitte per e-mail an frauenkommission@dioezese-linz.at

Mag.a Sonja Riha, Theologin, Frauenbeauftragte der Diözese Linz