Für eine Männerquote

 

 

 

 

Ich stehe der Quotenregelung ambivalent gegenüber. Sie reproduziert Geschlechterrollen dort, wo sie eigentlich vom Thema Geschlecht loslösen und auf Qualifikation und Fähigkeit hinweisen sollte.

Wieso sollte auch eine ungerechte Maßnahme für mehr Gerechtigkeit in der Chefetage sorgen? Würden Frauen wirklich in Führungspositionen wollen, wären sie mit entsprechendem Leistungseinsatz auch dort. Und, es gibt Frauen, die wirklich wollten! – eine davon ist heute deutsche Bundeskanzlerin.

So einfach ist es dann doch nicht. Nur mit Leistung und Qualifikation im Gepäck, ist es nicht möglich die patriachalen Machtstrukturen zu durchbrechen – das haben die letzten Jahrzehnte gezeigt.
Es schließen mittlerweile sogar mehr Frauen als Männer ihr Studium erfolgreich ab, in höheren Positionen sind weibliche Führungskräfte jedoch rar gesät. Das liegt zum Teil an der Wahl des Studiums, an mangelnden weiblichen Vorbildern oder schlicht und ergreifend am fehlenden Netzwerk.

Daher bleibt nur das auf den ersten Blick ungerechte Mittel der Quotenregelung – eine Maßnahme um Frauen Positionen zu bieten, die Handlungsspielräume eröffnen, um ihrerseits andere Frauen zu fördern und Fraueninteressen zu vertreten.
Es werden Verhaltensmuster durchbrochen und Denkprozesse eingeleitet, sodass aus dem Kuriosum „weibliche Führungsrolle“ ein Vorbild für andere Frauen, sowie Normalität für männliche Arbeitskollegen wird.

Um der vermeintlich unfairen Quotenregelung doch noch Gerechtigkeit abzuringen und im Geschlechterverhältnis für Ausgewogenheit zu sorgen, sollten nicht nur Männer von ihrer Macht abgeben müssen. Frauen sollten ebenfalls ihre Führungsposition mit den Männern teilen. Ich spreche mich daher für eine Männerquote aus in den Bereichen, die noch fest in Frauenhand sind: in der Haus- und Familienarbeit.
Das würde für Unternehmen aus Männern einen ebenso unberechenbaren Faktor machen, wie es Frauen jetzt schon sind und wir kämen der Gleichstellung der Geschlechter einen Schritt näher.

Ich bin dafür zu teilen, und zwar fifty/fifty – auf allen Ebenen.
…damit die Quote obsolet wird und wirklich nur noch Qualifikation und Leistung zählen.

Iris Aue, KünstlerIn